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Erstes WIR-Forum zum Thema Flüchtlingsunterbringung - „Mehr als ein Schlafplatz“: Kommunale Wohnungsunternehmen sprechen über Unterbringung und Integration von Flüchtlingen

Erstes WIR-Forum zum Thema Flüchtlingsunterbringung - „Mehr als ein Schlafplatz“: Kommunale Wohnungsunternehmen sprechen über Unterbringung und Integration von Flüchtlingen

Die kommunalen Wohnungsunternehmen des Ruhrgebiets (WIR – Wohnen im Revier e.V.), zu denen auch die Allbau AG gehört, hatten Kommunen und andere Interessierte nach Herne eingeladen. Unter dem Titel „Mehr als ein Schlafplatz! Flüchtlingsintegration im Ruhrgebiet 2016 – WIR machen was“ diskutierten die rd. 60 Teilnehmer/innen aus der Region darüber, wie es gelingen kann, die vielen Flüchtlinge im Ruhrgebiet zu integrieren und welche Rolle die kommunale Wohnungswirtschaft dabei einnehmen kann.

„Das Wichtigste kommt erst noch“, so begrüßte Norbert Riffel, Sprecher des Vorstands von WIR – Wohnen im Revier e.V. und hauptamtlich Sprecher der Geschäftsführung der Bochumer VBW BAUEN UND WOHNEN GMBH die Gäste im Herner Literaturhaus. Die kommunale Wohnungswirtschaft fühlt sich seinen Worten zufolge selbstverständlich den Kommunen und der Region verbunden und damit auch den Herausforderungen, mit denen das Revier konfrontiert ist. Aus diesem Grund hatte die regionale Kooperation von Wohnungsunternehmen das Bochumer Institut InWIS Forschung & Beratung GmbH damit beauftragt, zusammenzustellen, was die Unternehmen mit Blick auf das viel diskutierte Flüchtlingsthema bereits unternommen haben und wie die Unternehmen wie auch die jeweiligen Kommunen die Chancen der Zusammenarbeit bewerten. Mit beeindruckendem Ergebnis, wie auch Alexander Rychter, Sprecher des Verbands der Wohnungswirtschaft Rheinland-Westfalen in seinem Grußwort feststellte. Nicht nur im Ruhrgebiet habe sich die Wohnungswirtschaft auf das Thema eingestellt und durch eine Vielzahl von Projekten Kommunen und andere Akteure unterstützen.

Dennoch, so zeigte auch Torsten Bölting (InWIS) in seiner Studie auf: die „Unterbringung“ der Flüchtlinge ist nur der erste Schritt für die Kommunen und die kommunalen Wohnungsunterhemen. Nachdem Verteilung und Erstversorgung durch Bund und Länder organisiert werden, haben die Flüchtlinge nicht nur eine lange beschwerliche und gefährliche Flucht hinter sich, sondern blicken teils auch innerhalb Deutschlands schon auf mehrere Stationen zurück. Umso wichtiger sei es, ihnen in den Kommunen eine menschenwürdige Unterbringung und Perspektive zu bieten sowie sie dann mittel- und langfristig bei der Integration zu unterstützen. Dabei würden die Wohnungsunternehmen einen breiten Strategiemix anwenden: Dezentrale und zentrale Unterbringungskonzepte werden sowohl im Neubau wie auch in der Bestandsqualifizierung umgesetzt – so ist es den kommunalen Unternehmen in der Region gelungen, seit 2014 rund 10.000 Flüchtlinge aufzunehmen.

Wie das konkret gelingen kann, zeigten Johannes Chudziak, Stadtrat der Stadt Herne und Thomas Bruns, Geschäftsführer der Herner Gesellschaft für Wohnungsbau (HGW). Chudziak machte noch einmal deutlich, welche komplexen und kurzfristigen Anforderungen schon im Zuge der Unterbringung an die Städte gestellt worden waren und zeigte, wie die Ruhrgebietsstadt es gemeinsam mit dem kommunalen und anderen Wohnungsunternehmen geschafft hat, diese Aufgaben zu bewältigen. Er zeigte aber auch auf, dass die größten Herausforderungen jetzt noch auf die Stadt zukommen. Nachdem das Land Kapazitäten in erheblichem Umfang aufgebaut hatte, zeigt sich demnach in jüngster Zeit angesichts infolge der geschlossenen Balkan-Route ausbleibender „neuer“ Flüchtlinge ein gewisses Nachlassen bezogen auf das Thema. Dabei kommen erst jetzt viele der Flüchtlinge im Zuge des normalen Verfahrens in kommunale Obhut und die Integration in Arbeitsmarkt, in Bildungssysteme und nicht zuletzt in die Nachbarschaften beginnt. Bruns zeigte, wie es gelingen kann, u.a. durch die Aktivierung von gewerblichen Objekten ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen baut zurzeit unter Nutzung von Landesfördermitteln die ehemalige Zentrale eines großen Bauunternehmens u.a. zu Wohnungen für Geflüchtete um.

Aus einer etwas andren Perspektive berichteten Thomas Konietzka, stellvertretender Leiter des Sozialamtes der Stadt Mülheim an der Ruhr und Ulf Lennermann, Geschäftsführer der dortigen (kommunalen) SWB Service GmbH. Unter dem Claim „Mülheim lebt Verantwortung“ hat die Stadt auch dort eine koordinierende Rolle eingenommen und es geschafft, die vielen Flüchtlinge in zentralen Einrichtungen, vor allem aber auch dezentral in den Quartieren unterzubringen. Nicht zuletzt die SBW Service GmbH stellte hierfür zahlreiche Wohnungen zur Verfügung. Darüber hinaus betonte Lennermann, lege man aber großen Wert auf die Begleitung und Betreuung der Geflüchteten. Das Unternehmen hat deshalb eigene Integrationslotsen eingestellt, die mit muttersprachlichem Hintergrund auf die Flüchtlingsfamilien zugehen können. Gemeinsam mit der Stadt können diese somit „Wohnen lernen“ und gleichzeitig Kontakte in den Quartieren knüpfen. Denn auch die „alten“ Nachbarn werden auf die Ankommenden vorbereitet, um Vorurteile abzubauen und möglichen Konflikten schon frühzeitig zu begegnen.

In einer Diskussionsrunde zum Schluss brachte Dr. Marco Boksteen, Geschäftsführer der Hagener ha.ge.we, die Referenten und die Zuhörer/innen ins Gespräch. Er fragte konkret nach, wie die Abläufe im Einzelnen gesteuert werden und was die Experten zukünftig erwarten. Dabei waren sich die Beteiligten einig: Das Thema ist längst nicht vorbei, auch wenn aktuell nur wenige Flüchtlinge Deutschland erreichen. Zum einen sei davon auszugehen, dass die Menschen sich andere Wege suchten, wie aktuell an den wieder zunehmenden tragischen Bootsunglücken auf der Mittelmeerroute abzulesen. Zum anderen müssten die Beteiligten in den Kommunen jetzt und in Zukunft schauen, wie die ganzheitliche Integration in die kommunale Gesellschaft gelingen kann. Dabei könnten integrierte Konzepte helfen, wie sie einige Städte jetzt bearbeiten.

„Wir kommunale Unternehmen stellen uns dieser Herausforderung“, ist sich Norbert Riffel sicher. Der Sprecher des Vereins WIR – Wohnen im Revier zieht eine positive Bilanz nach dem ersten WIR-Forum: „Wir wollten Fachleute aus der Region ins Gespräch bringen, das ist uns gelungen. Wir werden solche Veranstaltungen zu geeigneten Themen sicher wiederholen!“.

Erläuterungen:
Die Kooperation WIR – Wohnen im Revier wurde 2007 von zunächst sieben kommunalen und kommunalnahen Wohnungsunternehmen aus dem Ruhrgebiet gegründet. Heute zählt die Kooperation bereits dreizehn und in Kürze vierzehn Mitgliedsunternehmen. Von dem Austausch von Know-how in unterschiedlichen Bereichen vom altersgerechten Wohnen über die energetische Modernisierung bis zu Personalentwicklung und Unternehmensstrategie profitieren heute rd. 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dreizehn Wohnungsunternehmen mit rd. 90.000 Wohnungen. Zusammen investierten die Unternehmen in den letzten Jahren rd. 350 Mio. Euro pro Jahr in Neubau und Bestand – der bei weitem größte Teil dieser Investitionen kommt wiederum Unternehmen aus der Region zugute. Die Kooperation ist in der Region und im Land anerkannt als Ansprechpartner für das „Wohnen im Revier“.

Das WIR-Forum ist eine Veranstaltungsreihe, bei der die kommunalen Wohnungsunternehmen mit anderen Akteuren aus der Region das Gespräch zu aktuellen Themen und Herausforderungen in der Region suchen. Das WIR-Forum zum Thema „Flüchtlingsunterbringung im Ruhrgebiet“ am 15. April 2016 im Literaturcafé in Herne war die erste Veranstaltung dieser Art. Über das Forum und weitere Veranstaltungen informiert der Verein WIR – Wohnen im Revier künftig auf seiner Homepage www.wir-wohnenimrevier.de

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